Psychowissenschaftliche Grenzgebiete
 
Thema: Bruno Gröning - seine aufsehenerregenden Heilungen und sein tragisches Ende (1)


   

Jugend und Beginn der Heiltätigkeit

Bruno Gröning wurde am 30. Mai 1906 als viertes von sieben Kindern als Sohn des Maurerpoliers Günkowski in Danzig Oliva geboren. Als Kind fiel er schon durch eine gewisse Hellsichtigkeit auf und galt in der Schule als Sonderling. 1915 erkrankte er an Ruhr und rang tagelang mit dem Tode, genas dann aber wider Erwarten doch. Die Schule brach er vorzeitig ab, begann dann eine kaufmännische Lehre, wechselte ins Zimmerhandwerk und arbeitete bei häufigem Berufswechsel als Kellner, Filmvorführer, Uhrmacher, Konditor und Telegrammbote bei der Post. 1927 heiratete er mit 21 Jahren seine Frau Gertrud. Bald bemerkte er seinen Einfluß auf kranke Menschen. Seine Frau hielt das für Schrullen und befürchtete, Aufsehen zu erregen und lächerlich zu werden. 1931 wurde das erste und 1939 das zweite Kind geboren. Das erste Kind hatte einen Herzfehler und litt unter Folgekrankheiten. Bruno Gröning heilte zwar Kranke seiner Umgebung, aber seine Frau haßte dieses Tun und hielt daher das Kind aus Eifersucht von ihrem Mann fern. Sie gab es in Danzig in ein Krankenhaus, wo es dann starb.

Seine Heilfähigkeit war mit einer gewissen Hellsichtigkeit gepaart. So sah er u. a. den Beginn des Zweiten Weltkrieges auf den Tag genau voraus und machte auch grobe Angaben über den weiteren Verlauf.

1943 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, kam an die Ostfront und geriet am 5. März 1945 in russische Gefangenschaft. Während der Gefangenschaft konnte er manchen Mitgefangenen bei ihren Beschwerden und Hungerödemen Erleichterung verschaffen. Am 29. Oktober 1945 wurde Gröning aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Durch einen Kameraden gelangte er am 14. Dezember 1945 nach Haigerloch im Dillkreis (Hessen). Mit Gelegenheitsarbeiten bei Bauern hielt er sich finanziell über Wasser. 1946 machte er seine Familie (Vater und Geschwister) und seine Frau ausfindig und zog mit letzterer in eine Zweizimmer-Behelfswohnung in Dillenburg. In der Folge wechselten Gelegenheitsarbeiten mit Arbeitslosigkeit ab.

Eines Tages bat die Ehefrau seines Hauswirts, eine Frau Richter, Gröning, ihre Nichte Ilse Sch. in Duisburg zu behandeln. Diese litt an einer schweren Neurasthenie (d. h. an starker psychischer Erregbarkeit und Erschöpfungszuständen). Gröning versuchte zuerst Fernheilung, fuhr dann aber doch zu ihr hin und erreichte ihre Heilung. Die Nichte Ilse Sch. empfahl Gröning nun weiter und fuhr mit ihm eine Weile von Wohnung zu Wohnung, um Kranken Hilfe zu bringen.

Im Januar 1949 trennte Grönings Frau sich von ihm.

Im März 1949 wurde er von einem Ingenieur Helmut Hülsmann aus Herford aufgesucht, der einen an Muskeldystrophie erkrankten Jungen hatte. Hülsmann nahm Gröning mit zu sich in sein Haus, wo er nicht nur den Sohn heilte, sondern wo dann auch sein "Stern" aufging, d. h. seine Heilfähigkeit der Öffentlichkeit allgemein bekannt wurde. Es kamen Kranke und Bittschriften zuhauf, und die Presse wurde auf ihn aufmerksam. Tag für Tag kamen die Heilungssuchenden vor und in das Haus von Helmut Hülsmann. Am 13. Mai 1949 äußerte er sich vor Medizinern und Pressevertretern in Herford in folgender Weise:

"Wer an Gott glaubt, dem helfe ich, wer vom Satan besessen und ein schlechter Mensch ist, den jage ich fort von mir."

Als man Gröning fragte, warum er nicht früher aufgestanden sei, warum er nicht den Krieg verhütet habe, antwortete er:

"Gott hat erst jetzt den Befehl gegeben. Ich bin nur ein Werkzeug Gottes. An mir liegt nichts, ich will kein Geld für meine Hilfe. Ich führe nur die Befehle aus, die mir Gott erteilt, ich kann nicht anders handeln, als Gott es mir eingibt. Nicht ich heile, sondern es heilt durch mich!"

An anderer Stelle sagte Gröning (1, S. 35):

"In meiner Macht steht es, nur Menschen zu heilen, die bereit sind, den Glauben, den sie verloren haben, wieder in sich aufzunehmen. Es ist keine Hypnose, es sind nur die Worte Gottes. Ich habe einen inneren Stolz, ein kleiner Diener Gottes zu sein. Ich bin imstande, Menschen zu heilen, die mir nur einen Zettel, ohne Namen und Adresse, hinlegen, auf dem sie um Heilung bitten. Wie ich spreche, so geschieht es!"

Weiter heißt es: (1, S. 27)

"Ich unterscheide mich von den Heilpraktikern sehr stark, weil ich keine Krankheit zu behandeln gedenke. Dieses überlasse ich denen, die das Recht behördlicherseits erhalten haben. Außerdem verordne ich keine Arzneien. Ich lehne es ab, Krankheitsgeschichten zu erfahren. Ich gebe jedem Hilfesuchenden den guten Rat, so er eine Behandlung seiner Krankheit erwartet, sich an einen Arzt zu wenden. Kurz gesagt, ich tue nur das, was auch ein jeder tun muß: helfen und nochmals helfen. Meine Hilfe liegt aber auf einer anderen Grundlage."
 

Wartende Menschen vor dem Hülsmannschen Haus in Herford, Wilhelmsplatz 7, im September 1949

Wartende Menschen vor dem Hülsmannschen Haus in Herford, Wilhelmsplatz 7, im September 1949

 

Betätigungsverbot und vorerst letzte Heilungen

Das erste Verbot über Grönings Tätigkeit sprachen die Behörden bereits Anfang Mai 1949 aus. Doch zeigte sich rasch, daß es mit Polizeigewalt nicht gegen die Menschen durchzusetzen war, die Tag für Tag in großer Zahl auf dem Wilhelmsplatz in Herford lagerten. Zu Tausenden kamen die Kranken und Siechen in das kleine westfälische Städtchen. Mit Autobussen, Lastwagen, Personenwagen, mit der Bahn und zu Fuß, mit Pferdefuhrwerken und Fahrrädern, auf Leiterwägelchen, in Fahrstühlen und in Krankenwagen. Das menschliche Elend, das sich hier offenbarte, war erschütternd und grenzenlos. In den umliegenden Gärten und in den Anlagen saßen die Kranken, standen die Liegestühle und die Tragen. Tage- und nächtelang warteten die Angekommenen auf Heilung. Lahme, Blinde, Taube, eine Gemeinschaft des Elends und der Not. Arme Menschen, ob sie nun in Luxuswagen saßen oder sich mühsam auf ihren Krücken fortbewegten. Hundert- und tausendfältig war nur der eine Wunsch: Heilung zu finden!

Und viele fanden Heilung. Die große Zahl der von E. A. Schmidt und Dr. Kaul beschriebenen Heilungsfälle belegt dies unzweifelhaft. Hinzu kamen alle die Dankesbriefe von Geheilten, darunter auch Ärzten, die nach ihrer Heimkehr an Bruno Gröning geschrieben haben. Einige dieser Zeitzeugen leben noch heute und bestätigten, was sie damals erlebten.

Am 2. Juni 1949 erging ein endgültiges und umfassendes Heilverbot.

Weil es danach aber zu Tumulten in Herford kam, duldet die Stadtverwaltung noch eine kurze Zeit die Anwesenheit der Hilfesuchenden.

Dann kam der letzte Abend.

Drei- bis viertausend Menschen hatten sich in den Abendstunden des 17. Juni 1949 auf dem Wilhelmsplatz vor dem Hülsmannschen Haus angesammelt. Kurz vor 22 Uhr trat Bruno Gröning auf den Balkon des Hauses Hülsmann und sprach ein letztes Mal zu den Wartenden. Seine Ansprache endet mit den Worten:

"Aufzuhalten ist es nicht. In der ganzen Welt soll sich die Heilung vollziehen. Alle Menschen, gleich welcher Nation, Rasse oder Religion, sind es wert, daß ihnen geholfen wird. Wir sind alle Kinder Gottes und haben nur einen Vater, und das ist Gott. Eines will ich nicht haben: Dank! Dankt eurem Herrgott. Er allein ist es, wenn es gelingen soll. Das Gute im Menschen muß das Schlechte verdrängen. Nach seinem Tun wird er gewogen, und wenn er nicht zu leicht befunden wird, dann verbleibt ihm die Hoffnung auf das Heil. Werfen Sie Ihr Leid von sich!"

Dann hat er die Anwesenden gebeten, in Ruhe nach Hause zu gehen und nicht mehr zu protestieren. Die riesige Menschenmenge löste sich nur langsam auf.

Was sich dann in den frühen Morgenstunden des 18. Juni 1949 zutrug, ist mehrfach beschrieben worden. Hier eine Reportage aus dem Münchner Merkur:

"Bruno Gröning wandte sich nun im Licht des frühen Tages erneut den wartenden Autos mit Schwerkranken zu. Für uns, die wir bei ihm waren, und die vielen, die es mit ansehen konnten, war es ein Zug des Wunders, der Siegeszug einer nicht kriegerischen, sondern versöhnlichen und helfenden Macht. Der Gewalt dieses Bildes konnte sich keiner entziehen. Bei Kindern wurden gelähmte Glieder, die unter ständigem Kältedruck standen, wieder warm. Bruno Gröning stieg von einem LKW auf den anderen hinauf, ging von Mensch zu Mensch, die auf Stroh und Matratzen gebettet waren. Sie richteten sich auf und fühlten neue Kräfte.

In einem der LKWs, für alle Umstehenden sichtbar, saß eine siebzigjährige Frau, vollkommen gelähmt; sie war auf einem Sessel in den Wagen getragen worden, wie mir der Fahrer berichtete. Nach wenigen Worten Grönings bewegte sie die Arme, erhob sich, und als der Wagen sich in Bewegung setzte, winkte sie mit freudestrahlendem Gesicht der umstehenden Menschenmenge mit den bisher völlig bewegungslosen Armen und Händen zu. So ging es Wagen für Wagen, bis der Platz lichter und lichter wurde: Dies war die letzte und wohl auch erfolgreichste Tat des öffentlichen Wirkens von Bruno Gröning in Herford. Von diesem Augenblick an trat das Tätigkeitsverbot mit voller Wirkung in Kraft.

Der Superintendent des Kirchenkreises Herford, Präses Kunst, äußerte sich über Grönings damaliges Wirken in folgender Weise:

"Tatsache ist, daß Menschen, die mir bekannt sind, seit ihrem Besuch bei Herrn Gröning ihre alten Beschwerden los sind und ein neues Lebensgefühl haben. Im Ravensburger Land sind schon öfter Wundertätige aufgetreten. Ich habe verschiedenen die Kardinalfrage gestellt: 'Glauben Sie, daß Jesus Christus Gottes Sohn ist?' Alle diese Befragten wurden darauf verlegen und konnten keine eindeutige Antwort geben. Daraus ist zu schließen, daß sie irgendwie mit Kräften des Bösen in Verbindung standen.

Auch Herrn Gröning habe ich diese Frage gestellt. Er gab mir die klare Antwort: 'Ja, ich glaube, daß Christus Gottes Sohn ist.' Das hat mich sehr beeindruckt. Nach dem Neuen Testament ist ferner ein wesentlicher Gesichtspunkt bei den besonderen Gaben Gottes, daß sie in den Dienst der Gemeinde gestellt werden. Ich habe keinen Anlaß zu zweifeln, daß das bei Herrn Gröning der Fall ist.

Der Apostel Paulus schreibt im Neuen Testament im ersten Brief an die Korinther 12, 7 - 10: 'In einem jeden erzeigen sich die Gaben des Geistes zum gemeinen Nutzen. Einem wird gegeben durch den Geist, zu reden von der Weisheit; dem anderen wird gegeben, Wunder zu tun.' Wir Herforder Pastoren haben allen unseren Gemeindemitgliedern, die uns um Rat fragten, gesagt, wir hätten noch kein letztes Urteil. Wir haben niemandem abgeraten, zu Gröning zu gehen. Jeder solle aber vorher den Herrn angehen, daß Er ihn bewahre vor einer Heilung durch Kräfte von unten her. Herr Gröning weiß um diesen Rat, und er hat mir versichert, daß er unsere Sorgen gut verstände."  

 

Medizinisch-wissenschaftliche Untersuchung des Heilungsgeschehens

Inzwischen hatten sowohl die Presse als auch einzelne interessierte Ärzte sich des Falles "Gröning" angenommen. Nachdem Grönings Heiltätigkeit in Herford durch die Behörden ein Ende gefunden hatte, organisierte die Illustrierte REVUE zusammen mit dem Psychotherapeuten Prof. Dr. von Weizäcker eine ärztliche Untersuchung von Grönings Heilweise. Die Redaktion der REVUE mietete dazu in Heidelberg ein Haus, in dem die Untersuchung stattfinden sollte und in das Gröning am 27. Juli 1949 für mehrere Tage übersiedelte. Mit der Überwachung der Versuche wurden der Internist Dr. Wüst von der Heidelberger Ludolf-Krehl-Klinik, der Marburger Psychologe Dr. H. G. Fischer und der Marburger Psychotherapeut und Physiker Rolf Germer betraut. Die zu behandelnden Kranken wurden teils aus den Patienten der Ludolf-Krehl-Klinik, teils aus dem Kreis von 80.000 Hilfesuchenden, die sich brieflich an Bruno Gröning gewandt hatten, ausgesucht. Die Briefe wurden mit einem LKW aus Herford herangefahren.

Die ausgesuchten Patienten wurden von Dr. Wüst in der Heidelberger Universitätsklinik voruntersucht. Nach der Behandlung durch Gröning stellte dann eine Nachuntersuchung die Veränderungen im subjektiven und objektiven Befinden der Patienten fest.

Die Untersucher stellten die Beseitigung von lang andauernden Beschwerden der Patienten durch Gröning fest, wie sie auch vorher in zahlreichen Fällen vorgekommen waren. In einem Fall aber auch Erfolglosigkeit.

Es war nun in der Regel nicht so, daß Gröning die Patienten nur anschaute oder nur von Gottvertrauen zu ihnen sprach, sondern er führte mit ihnen oft ein ausführliches, heilungförderndes Gespräch.

Dazu ein kurzer Ausschnitt aus einer Tonbandaufnahme:

Bruno Gröning behandelt eine seit 13 Jahren an heftigen und schmerzhaften Darmbeschwerden leidende Frau Else Joest.

 

Gröning : (sprachlich ungelenk): Ich bitte Sie, nicht an das Leiden zu denken. Konzentrieren! Gedanken nach außen schalten Sie ab… - beobachten - es wird sich vieles bemerkbar machen, konzentrieren Sie sich voll und ganz auf Ihren Körper. Wollen wir loslegen? Umgekehrt ist auch was wert! (Häufig erscheinende, merkwürdige Formulierung.)

Was merken Sie in Ihrem Körper? - Zieht eine Welle durch Ihren Körper? - Nicht daß ich Ihnen etwas vorerzähle, nicht, daß hier einer annehmen müßte, er 'müsse ja' sagen. Sie brauchen es nicht. Aufpassen, daß es der Wahrheit entspricht und wie ich die Fragen stelle. Sollten Sie einmal nein sagen - macht nichts - der eine fühlt es leichter, der andere nicht. Vorsprechen brauchen sie nicht, nur immer die Wahrheit sagen - dann kommen wir schon hin. Sie müssen nicht soviel denken an Ihr Leiden, das stört mich, ich komme nicht ran. Das braucht nicht sein.

 

(Gröning wandte sich Frau Joest zu: )

 

Gröning : Was ist mit Ihnen?

Joest : Mir wird es ganz schwer.

Gröning : Jetzt geht etwas im Unterleib vor.

Joest : Ja - ein Ziehen und Heben.

 

(Gröning wendet sich für einige Minuten anderen Patienten zu.)

 

Gröning : Eben gab es einen Zuck im Ihrem Körper.

Joest : Ja!

Gröning : Rechte Seite Ziehen?

Joest : Ja - als ob alles zusammengezogen wird.

 

(Gröning mit anderen Personen beschäftigt.)

 

(Frau Joest fängt an den Armen zu zittern an.)

 

Gröning : Bei Ihnen zieht es sich innen zusammen - was macht das Kreuz?

Joest : Sehr Schmerzen - aber andere Schmerzen als sonst. Ich habe ein Ziehen auf der linken Seite.

 

(Gröning mit anderen Personen beschäftigt.)

 

(Frau Joest hat ein Ziehen im Rücken und Wärme bis zu der Nierengegend.)

 

Gröning : Was machen die Nieren?

Joest : Sie werden warm.

Gröning : Heiß - könnte man sagen.

Joest : Ja!

Gröning : Nun haben Sie wieder das Ziehen wie das erste Mal. Im Darm haben Sie ein Gefühl, als ob sich alles regelt, als ob eine Ordnung eintritt.

Joest : Ja - es arbeitet alles mächtig.

 

(Gröning mit anderen Personen beschäftigt.)

 

(Joest verspürt Druck im Kreuz.)

 

Gröning : Immer noch?

Joest : Ja! –

 

(längere Pause)

 

Gröning : Was ist jetzt geschehen im Kreuz?

Joest : Es ist mir leichter.

Gröning : Es zog nach unten ab.

Joest : Ja! - (Plötzlich) Ich habe so heftigen Drang!

Gröning : Sehr heftig?

Joest : Ja - ich muß sofort zur Toilette.

Gröning : Bitte. Gehen Sie.

 

(Joest verläßt das Behandlungszimmer und bleibt acht Minuten draußen. Kehrt dann wieder zurück.)

 

Gröning : Sie hatten Erfolg, nicht wahr?

Joest : (glücklich und fassungslos) Ja!

Gröning : Sehr viel Stuhl! Eine völlige Entleerung!

Joest : Ja - seit 13 Jahren zum ersten Mal ohne Mittel.

Gröning : Setzen Sie sich nun wieder hin. - Es arbeitet weiter in Ihrem Körper.

Joest : Ja - mir ist immer noch heiß. Aber so leicht, wie ich es gar nicht kenne.

Gröning : Es wird jetzt immer wieder so leicht bei Ihnen werden.

 

 

Nachuntersuchung

Dieser Erfolg wirkte besonders stark auf Dr. Wüst, der die Leidensgeschichte der Frau genau kannte. Das Ende der ungewöhnlich schweren chronischen Verstopfung trat nach kurzer Behandlung durch Gröning ein und war von anhaltender Dauer. Es erfolgte von da an allmorgendlich pünktlich um 8 Uhr eine Entleerung. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß der Fall für dauernd geheilt ist, wenn es auch noch gelingt, die bestehende Spannung in der Ehe wegen der Kinderfrage zu lösen. Es müßte dann auch klinisch festgestellt werden, ob sich nach einer Empfängnis die Myomgeschwulst zurückbildet und vielleicht verschwindet.

Interessant ist besonders auch folgender Fall, der in Heidelberg behandelt wurde.

Es betraf einen angelernten Arbeiter namens Strobel. Er litt seit 1945 an einer schmerzhaften rheumatischen Erkrankung (Morbus Bechterew), die zu einer erheblichen Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule und zu großen Schmerzen beim Gehen geführt hatte. Er konnte nur mit Mühe den Behandlungsraum betreten.

Die Behandlung durch Gröning erfolgte in gleicher Weise wie bei Frau Joest und führte dazu, daß die Gehstörungen und die Schmerzen weitgehend beseitigt wurden. Eine gewisse Unbeweglichkeit und Schmerzempfindlichkeit der Halswirbelsäule blieben jedoch zurück.

Und jetzt kommt das Bedeutsame:

Anschließend behandelte der Psychotherapeut Rolf Germer den Patienten Strobel in gleicher Weise mit Worten und Suggestionen wie Gröning zuvor. Und siehe da, nach Germers Behandlung verschwanden auch die Restbeschwerden in der Halswirbelsäule. Ob es sich bei allem nun um eine echte Heilung gehandelt hat, hätte man erst nach Jahren feststellen können, denn Morbus Bechterew ist eine chronisch verlaufende, die Wirbelsäule versteifende Erkrankung, die schubweise verläuft und bei der auch spontane, vorübergehende Remissionen vorkommen.

Gröning läßt den Patienten mit Morbus Bechterew (Strobel) Bewegungsübungen machen

 

Heilungen traten bei Gröning auch oft auf, wenn er kein langes Gespräch mit den Kranken führte.

Heilungen traten bei Gröning auch oft auf, wenn er kein langes Gespräch mit den Kranken führte.

 

Als sich Gröning am 25. August 1949 in München befand, um dort bei Anwesenheit von mehreren Ärzten einige Patienten zu behandeln, hatten sich vor dem Haus Hunderte von Menschen versammelt, die auch auf Hilfe hofften. Als Gröning das Haus durch die Gartenpforte verließ, versuchte ein 71 Jahre alter Mann, mit Namen Johann Haas, der seit vier Jahren gelähmt war, sich in seinem Krankenstuhl den Weg durch die Menge zu Gröning hindurch zu bahnen. Dieser wurde auf ihn aufmerksam und forderte die Menschen auf, dem Kranken Platz zu machen. Als er in seinem Wagen vor Gröning saß und ihn hilfeflehend ansah, sagte Gröning zu ihm:

"Steh auf und geh!"

Ohne Zögern stand der Kranke aus seinem Wagen auf und sagte zu allen Umstehenden mit Tränen in den Augen:

"Zum ersten Mal seit vier Jahren kann ich stehen."

Er schritt auf Gröning zu, um ihn zu umarmen. Danach ging er, seinen Krankenstuhl vor sich herschiebend, zu Fuß nach Hause.

 

 

Beurteilung der Ärzte in Heidelberg

Zusammenfassend beurteilten die Untersucher in Heidelberg am 7. August 1949 das Vorgehen von Bruno Gröning folgendermaßen (gekürzte Fassung):

"Bruno Gröning ist kein Scharlatan, kein Hypnotiseur, kein Wunderdoktor, sondern ein begabter, nichtärztlicher Psychotherapeut (Seelenarzt). Er bemüht sich, aus kindlich-naturhaftem und auch religiös begründetem Mitgefühl heraus, den Menschen in ihren seelisch bedingten Leiden (psychogenen Leiden) zu helfen und die damit zusammenhängenden, nach außen zum großen Teil "organisch" auftretenden Krankheiten (psychosomatische Erkrankungen) zu heilen. Er maßt sich nicht an, ein Prophet oder Messias zu sein. Er hat aber ein gläubiges Sendungsbewußtsein, das durch die in der Presse wahllos propagierten oder überbetonten Erfolge und durch die blinde Verehrung oder aber berechnende Bewunderung seiner bisherigen Umgebung stärker gestützt ist, als es sonst bei geschulten, ärztlichen oder nichtärztlichen Psychotherapeuten der Fall ist.

Seine entscheidende Grundbegabung dafür ist sein überdurchschnittliches seelisches Einfühlungsvermögen in andere Menschen. Es ist verbunden mit einem Naturtalent geschickter Menschenbehandlung. Beide Veranlagungen entspringen seinem optimistischen, andere Menschen unmittelbar ansprechenden Wesen, das außerdem noch durch eine zielklare Selbstsicherheit bestimmt ist. Alles dies sind Veranlagungen, die für einen Psychotherapeuten wesentlich und bei ihm in ausgesprochenem Maße vorhanden sind.

 

Ist ein Heilverbot berechtigt?

Das Verbot kam offenbar durch eine gewisse Hilflosigkeit gegenüber dem Massenansturm der Heilungssuchenden zustande. Es stützte sich zum Teil auf das Unverständnis der Schulmediziner für jede Seelenheilkunde. Das geht daraus hervor, daß man bei dem Angebot an Gröning, seine Heilkraft unter Beweis zu stellen, die Heilung rein organischer und sogar aussichtsloser Erkrankungen verlangte. Das Verbot stützte sich aber anderseits auf die berechtigten Bedenken gegen einen nicht mit genügender Zuverlässigkeit heilenden Nichtmediziner, der die Grenzen seiner Heilfähigkeit nicht überblickt.

 

Gibt es auch vom psychotherapeutischen Standpunkt Bedenken gegen Gröning?

Im Augenblick - ja. Wir haben festgestellt, daß bei Patienten, bei denen die seelischen Konflikte wegen fehlender oder unvollkommener Feststellung der Ursachen dieser Konflikte (Analyse) noch bestehen, durch seine schnell zupackende Methode manchmal sogar lebensgefährliche Komplikationen geschaffen werden können.

Zweitens liegt die Gefahr nahe, daß Gröning auf Grund fehlender oder unzureichender Krankheitserkennung nur die Krankheitserscheinungen beseitigt. Das ist z. B. bei alarmierenden Schmerzen der Fall, die Symptome lebensgefährlicher, rasch fortschreitender Erkrankungen sind. Die Beseitigung dieser Schmerzen ist dem Psychotherapeuten leicht möglich. Er wird aber die Schmerzbeseitigung bei einer Blinddarmentzündung ablehnen, weil sie die Krankheit nicht beseitigt, den Patienten aber von der rechtzeitigen Operation fernhält.

Drittens beherrscht Gröning das "Kontaktproblem", d. h. die seelische Bindung und Lösung der persönlichen Beziehung des Seelenarztes zum Patienten, nicht so sicher, daß der Patient am Schluß der Behandlung wieder genügend selbständig wird. Oft bleibt der von ihm Behandelte in einem ungünstigen Schwebezustand oder gar einer Hörigkeit Gröning gegenüber.

Viertens überschätzt er wahrscheinlich gewisse hellseherische Einflüsse seinerseits, die in seine Arbeitsweise hineinspielen und seiner Heiltätigkeit dann ein unklares Bild geben (z. B. Ferndiagnose und Fernbehandlung). Diese Grenzprobleme müssen einer späteren Untersuchung vorbehalten bleiben. Grundsätzlich scheinen sie aber seine vorhin geschilderte Arbeitsweise nicht zu berühren.

 

Wie stellen wir uns zu einer Zulassung Grönings?

Die obigen Bedenken machen - trotz der grundsätzlichen Befürwortung, Gröning sein Lebensziel der Heilung zu lassen - eine bedingungslose Zulassung Grönings vorerst noch nicht möglich. Aus der bisherigen Zusammenarbeit mit ihm haben sich aber hinreichende Anhaltspunkte ergeben, die erhoffen lassen, daß Gröning sich in ärztlicher Zusammenarbeit zu einem zuverlässigen Psychotherapeuten heranbilden kann. Dazu scheint es notwendig, ihn nicht weiterhin durch ein Verbot einzuschränken. Es ist zweckmäßig, daß sich die Heilungssuchenden an einen Arzt wenden, der bereit ist, Gröning in seiner Praxis mitarbeiten zu lassen. Weitere Möglichkeiten dürften sich aus einer Zusammenarbeit zwischen Gröning und vernünftigen Ärzten nach Art der Heidelberger Untersuchung ergeben, müßten sich jedoch im Interesse der Wissenschaft und der Kranken über einen Zeitraum von mindestens einem Vierteljahr erstrecken. Daraus ergibt sich, daß man Gröning mit dem Verbot seiner Tätigkeit nicht abtun kann. Man muß im Interesse der Wissenschaft und der Kranken Grönings Methode exakt erforschen und anderen Psychotherapeuten zugänglich machen. Man muß Gröning selbst die Möglichkeit zur Weiterarbeit in diesem Sinne geben."

So wohlwollend dieses Gutachten für Gröning in einer Weise war, so hinderlich war es in anderer Beziehung, weil es ja eine sofortige Freigabe seiner Heiltätigkeit nicht befürwortete. Und darauf beriefen sich in der Folgezeit die Behörden und Gerichte.

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