Psychowissenschaftliche Grenzgebiete
 
Thema: Bruno Gröning - seine aufsehenerregenden Heilungen und sein tragisches Ende (3)


   

Beginn der Strafverfahren

Wenn Gröning geglaubt hatte, daß man ihm wegen seiner religiös gehaltenen Heilungsvorträge nichts anhaben könnte, so hatte er sich geirrt.

Im März 1952 kam es vor dem Schöffengericht München-Land wegen unerlaubter Ausübung der Heilkunde zu einem Strafverfahren gegen ihn. Diesmal wurde er noch durch Urteil vom 19. März 1952 mangels sicheren Schuldnachweises freigesprochen.

Da die Staatsanwaltschaft jedoch beim Landgericht München Berufung gegen das Urteil eingelegt hatte, kam es zu einem weiteren Urteil, durch welches das Urteil des Schöffengerichtes am 8. Juli 1952 bestätigt wurde, weil Gröning sich in bezug auf die Ausübung der Heilkunde in einem schuldausschließenden Irrtum befunden und somit nicht vorsätzlich gehandelt habe.

Damit war nun aber in keiner Weise eine Erlaubnis oder Duldung seiner bisherigen Heil- und Vortragstätigkeit ausgesprochen. Da er diese aber fortsetzte, war abzusehen, daß über kurz oder lang ein neues Verfahren auf ihn zukommen würde. Seine Bemühungen, in Bayern oder Baden-Württemberg eine Ausnahme-Genehmigung für seine Tätigkeit zu erhalten, waren nämlich ohne Erfolg geblieben.

So erhielt er am 4. März 1955 vom Schöffengericht München-Land eine neue Anklageschrift, in der es einleitend hieß: Bruno Gröning ist hinreichend verdächtig:

  1. In einem Fall mit einem von vornherein auf wiederholte Begehung gerichteten einheitlichen Willensentschluß, somit fortgesetzt handelnd, ohne Erlaubnis die Heilkunde ausgeübt zu haben.
  2. In einem weiteren Fall durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht zu haben.

 

 

Vorwurf der fahrlässigen Tötung

Jetzt war erstmals der schwerwiegende Vorwurf der fahrlässigen Tötung hinzugekommen. Und damit hatte es folgende Bewandtnis:

Im November 1949 war der Sparkassenbeamte E. Kuhfuß aus Säckingen mit seiner 17jährigen Tochter Ruth, die an schwerer Lungentuberkulose litt, zu Gröning nach Bad Wiessee gefahren, um ihn um Heilung für seine Tochter zu bitten. Die Tochter war seit langem in fachärztlicher Behandlung und sollte einige Tage später in einer Lungenheilstätte aufgenommen werden.

Am 5. November 1949 behandelte Gröning die Kranke und trug dem Vater auf, nach der Rückkehr in Säckingen eine Röntgenaufnahme machen zu lassen, um sich von der fortgeschrittenen Heilung zu überzeugen.

Die Staatsanwaltschaft behauptete nun, Gröning habe bei dieser Gelegenheit verboten, weitere ärztliche Behandlung in Anspruch zu nehmen. Gröning widersprach dieser Behauptung in der Gerichtsverhandlung ganz energisch. Er trug vor, daß er auf dringende schriftliche Bitte des Vaters Kuhfuß dessen Tochter im Juni 1950 in Säckingen persönlich besucht habe und sie gefragt habe, ob die am
5. November 1949 angeratene Röntgenuntersuchung stattgefunden habe. Die Antwort sei gewesen:

"Ja, die Untersuchung hat stattgefunden, aber die gründliche Überprüfung hat keine Besserung gezeigt. Trotzdem fühle ich mich wohler und bin mit allem sehr zufrieden."

Gröning sagte, daß er dann weiter gefragt habe, ob die Tochter wieder unter fachärztlicher Aufsicht stünde. Die Antwort war: Ja, das sei der Fall, und die Ärztin sei ganz erstaunt darüber, daß die Kranke überhaupt noch am Leben sei.

Erst im Juli 1957 kam es zur öffentlichen Verhandlung.

Der Prozeß wurde für Gröning sehr nachteilig geführt. - Wohlwollende Zeugen wurden vom Gericht gar nicht erst zugelassen, und günstige ärztliche Gutachten wurden nicht berücksichtigt. - Seine Anwälte standen auch nicht richtig hinter der Sache. Gröning beklagte sich später:

"Keiner im ganzen Prozeß hat sich interessiert, wie eine Heilung zustande kommt, weder der Richter noch meine beiden Rechtsanwälte. Hätte einer davon danach gefragt und sich interessiert, so hätten sie die Wahrheit gewußt, daß ich in beiden Anklagepunkten unschuldig bin."

Nachdem am dritten Verhandlungstag am 1. August 1957 die Beweisaufnahme abgeschlossen wurde, hielt der Staatsanwalt sein Schlußplädoyer und führte u. a. aus, daß jede Tätigkeit, die mit Heilen zu tun habe, unter das Heilpraktikergesetz falle. Die Kranken seien zu den Vorträgen Grönings gekommen, weil sie an den Nimbus dieses Mannes, heilen zu können, glaubten. Sie seien nicht um des Vortrages willen, der als Abklatsch biblischer Aussagen keinen Wert an sich gehabt habe, sondern um geheilt zu werden. Daher müsse Grönings Tätigkeit unter das Heilpraktikergesetz fallen, zumal sie ja auch gewerblich ausgeführt worden sei, da sie mit Einnahmen verbunden gewesen sei. Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich bei den geleisteten Zahlungen um freiwillige Spenden oder erhobene Eintrittsgelder gehandelt habe, auf jeden Fall seien feststehende Beträge gewährleistet gewesen, von denen der Angeklagte lebe. Da er dreimal gewarnt worden sei, könne er sich nicht damit entschuldigen, daß er von der Strafbarkeit seines Handelns nichts gewußt habe.

Weil der Angeklagte fahrlässig und wiederholt pflichtwidrig gehandelt habe, beantragte der Staatsanwalt zehn Monate Gefängnis, zusätzlich drei Monate wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz. Bruno Gröning habe die Kosten des Verfahrens zu tragen. Die Stanniolkugeln und Goldplättchen, die in großen Paketen auf dem Richtertisch lagen, sollten eingezogen werden.

Der Verteidiger Grönings, Rechtsanwalt Dr. Schwander aus Heidelberg, ging zunächst auf den Vorwurf des Staatsanwaltes ein, Bruno Gröning habe, da er bereits gewarnt gewesen sei, bewußt gegen das Heilpraktikergesetz verstoßen. Um 1950 sei es noch keinesfalls eindeutig gewesen, ob die Vorträge Grönings unter das Heilpraktikergesetz fielen und damit strafbar seien. Herr Rechtsanwalt Reuss hatte damals die Vorträge für strafrechtlich unbedenklich gehalten und Gröning entsprechend beraten. Auch die Psychotherapie falle nicht unter das Heilpraktikergesetz, da es sich hierbei ebenso um einen geistigen Vorgang handele wie bei geistigen Heilungen, wie ja auch Herr Dr. Gemassmer dargelegt habe. Bruno Gröning habe hundertfach bewiesen, daß er auf diese Art heile. Er selbst als Rechtsanwalt falle ja auch nicht unter das Heilpraktikergesetz, wenn er seine Klientinnen, die sich scheiden lassen wollten, seelisch zu stärken suche.

 

 

Erstes Strafurteil

Nachdem sich das Gericht für anderthalb Stunden zur Beratung zurückgezogen hatte, verkündete es das Urteil:

"Bruno Gröning wird wegen unerlaubter Heilweisen zu einer Geldstrafe von 2000,- DM verurteilt.

Im Falle der fahrlässigen Tötung wird er freigesprochen, weil die Krankheit der Ruth Kuhfuß sich bereits während der ärztlichen Behandlung zum Schlechteren gewendet habe und Gröning keinerlei Verbote auf ärztliche Kontaktierung erlassen habe. Auch sei es der Patientin nach dem Besuch Grönings eine Zeitlang besser gegangen.

Die Kosten des Verfahrens gehen zu Lasten der Staatskasse."

Gröning wechselte den Rechtsanwalt, und der Staatsanwalt ging in die Berufung. Vom 14. bis 16. Januar 1958 kam es zu erneuten Gerichtsverhandlungen. Der Staatsanwalt beantragte wegen fahrlässiger Tötung acht Monate Gefängnis und wegen wiederholten Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz aus Gewinnsucht weitere drei Monate Gefängnis, insgesamt neun Monate. Dazu 1000,- DM Bußgeld und die Kosten des Verfahrens. Die Gefängnisstrafe solle für fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden.

Gröning hatte seinem neuen Verteidiger Dr. Grasmüller am 9. Januar 1958 ein langes Schreiben geschickt, in dem er bat, bestimmte Punkte bei seiner Verteidigung besonders herauszustellen. Das tat dieser aber nicht und begann statt dessen sein Plädoyer mit den Worten:

"Ich war mir sicher, daß der Angeklagte verurteilt wird. Es erübrigt sich eigentlich eine Verteidigung. Doch will ich nun einige Punkte der Kausalität untersuchen."

Das war für Gröning keine sehr ermutigende Rede und schon gar keine wirkungsvolle Verteidigung. Das Urteil fiel entsprechend aus:

Bruno Gröning wird wegen fahrlässiger Tötung zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, mit einer Bewährungsfrist von fünf Jahren. Wegen Vergehen gegen das Heilpraktikergesetz, da er es aus Gewinnsucht tat, wird die vorherige Strafe auf 5000,- DM erhöht, außerdem Tragen der Gerichtskosten.

Gegen dieses Urteil legte der Verteidiger im Auftrag Grönings Berufung beim Bayerischen Obersten Landgericht ein.

In der Zwischenzeit wandte sich Gröning zweimal schriftlich an den damaligen Bundeskanzler Dr. Adenauer und bat ihn um die Bewilligung einer Sondergenehmigung für seine Heiltätigkeit. Adenauer antwortete, daß er als Bundeskanzler kein Recht habe, über die Justiz hinweg Entscheidungen zu treffen. Er könne das nicht und wolle es auch nicht.

 

 

Revisionsverhandlung

So kam es ein Jahr später am 22. Januar 1959 zur Revisionsverhandlung vor dem Bayerischen Obersten Landgericht in München.

Gröning brauchte dazu nicht anwesend zu sein und konnte es auch nicht, weil er sich zu dieser Zeit zu einer zweiten Operation in einer Krebsklinik in Paris befand. Am 8. Dezember 1958 war er bereits wegen eines fortgeschrittenen Magenkarzinoms operiert worden.

Am 22. Januar 1959 kam es zu einem Dickdarmverschluß, der eine zweite Operation erforderlich machte.

Da eine allgemeine Metastasierung eingesetzt hatte, starb Gröning am 26. Januar 1959 um 13.00 Uhr. Seine Urne wurde in Dillenburg beigesetzt.

Vier Jahre später, am 30. Juli 1963, äußerte sich der ehemalige Verteidiger von Bruno Gröning, Dr. Andreas Grasmüller, gegenüber Grönings zweiter Ehefrau Josette in folgender Weise:

"Zu Ihrer Anfrage, betreffend den Abschluß des Strafverfahrens gegen Ihren Ehemann, Herrn Bruno Gröning, vor dem Landgericht München II, erlaube ich mir, folgendes mitzuteilen:

Ihr Mann wurde nach dem auf Revision der Staatsanwaltschaft hin aufgehobenen Freispruch in der zweiten Berufungsinstanz vor dem Landgericht München II vom 14. bis 16. 1. 1958 wegen eines Vergehens der fahrlässigen Tötung in Tatmehrheit mit einem fortgesetzten Vergehen der unerlaubten Heilkundeausübung zu einer Gesamtgefängnisstrafe von acht Monaten und zur Geldstrafe von DM 5.000,- DM verurteilt, bei Strafaussetzung zur Bewährung.

Dieses Urteil, das sowohl Ihr verstorbener Gatte als auch ich für unrichtig hielten, wurde von mir mit Revision zum Bayerischen Obersten Landgericht angefochten. Am 22. 1. 1959 fand daraufhin die Revisionsverhandlung vor dem Bayerischen Obersten Landgericht statt.

Aufgrund dieser Verhandlung war ich der Überzeugung, daß durch Urteil des Bayerischen Obersten Landgerichts das Berufungsurteil aufgehoben werden würde. Das Bayerische Oberste Landgericht hatte die Urteilsverkündung zehn Tage ausgesetzt.

In der Zwischenzeit kam die tragische Nachricht von dem plötzlichen Ableben Ihres Gatten.

Mit Beschluß vom 18. 2. 1958 erklärte das Bayerische Oberste Landgericht, ohne daß es zur Verkündung eines Revisionsurteils gekommen wäre, das Verfahren durch Tod für erledigt und setzte den Urteilsverkündungstermin ab.

Auf diese Weise war es Ihrem Gatten und auch mir als seinem Verteidiger verwehrt, seine Rehabilitierung, mit der ich gerechnet hatte und meiner Überzeugung nach der Sachlage auch rechnen konnte, durchzusetzen. Jetzt nach dem Tod Ihres Gatten habe ich keine Möglichkeit, das Verfahren in irgendeiner Weise aufzugreifen oder die nachträgliche Verkündung eines Revisionsurteiles zu erzwingen.

Es ist aber nach Sachlage niemand berechtigt, davon zu sprechen, daß Ihr Gatte rechtskräftig bestraft oder verurteilt worden wäre. Ich hoffe, mit diesen Auskünften gedient zu haben.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Für die Rechtsanwälte

Dr. Grasmüller und Dr. Peter  

 

Die Tragik in Bruno Grönings Leben

Die Tragik in Bruno Grönings Leben bestand darin, daß seine außerordentliche Wirksamkeit nicht in das herrschende Rechtssystem paßte.

Für ihn gab es keine Normen.

Er selbst konnte und wollte nicht einsehen, daß sein Tun von bestehenden Gesetzen erfaßt wurde oder erfaßt werden konnte. Er hat zwar erste Ansätze gemacht, sich das Wissen für eine Heilpraktikerprüfung anzueignen, aber er machte sich nicht die Mühe, das Wissen so zu vervollkommnen, daß er eine Prüfung hätte bestehen können. Die Notwendigkeit dazu sah er wohl auch gar nicht ein. Verhängnisvoll für ihn war auch, daß er teilweise habgierige Mitarbeiter hatte, deren Geschäftsgebaren aber ihm selbst angelastet wurde.

Hätte Gröning die Mühe und den Fleiß aufgebracht, die Heilpraktikerprüfung abzulegen, und hätte er die Menschenkenntnis gehabt, sich mit seriösen Mitarbeitern zu umgeben, so wäre kein Hindernis für seine segensreiche Heiltätigkeit vorhanden gewesen. Zwar hat durchaus die rechtliche Möglichkeit einer Ausnahmegenehmigung für sein Tun bestanden. Ich selbst kenne einen Fall, wo eine Heilerin mit einer solchen Ausnahmegenehmigung "praktiziert", jedoch hat sie nie ein solch großes öffentliches Aufsehen erregt wie Bruno Gröning. Dieses war bei Gröning aber viel zu erheblich und daher der Widerstand der Ärzteschaft zu groß, als daß man ihm eine Ausnahmegenehmigung hätte geben wollen.

Tragisch ist weiterhin, daß sowohl Ärzte, als auch Heiler für ihre eigene Gesundheit oft wenig Sorge tragen. Gröning mußte seinen ständig wachsenden Kropf doch auch wahrnehmen und etwas dagegen tun. Auf jeden Fall hätte er seine Jodmangelernährung umstellen müssen. Weiterhin war er starker Raucher. Das ist aber etwas, was zu einem Geistigen Heiler, der einen göttlichen Heilstrom an seine Patienten weiterleiten will, überhaupt nicht paßt. Nikotinsucht und Heilen verhalten sich wie Feuer und Wasser.

Ob die Nikotinsucht auch zu der Krebsentstehung beigetragen hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Sicherlich hat dies aber der Ärger über die Gerichtsverfahren und die Möglichkeit einer erneuten Verurteilung getan. So hat denn der Tod das endgültige Urteil gesprochen, gegen daß es keine Berufung mehr gab.

Bruno Grönings Tod schlug große Wellen in den Zeitungen.

Neid und Schadenfreude gewannen die Oberhand in den Kommentaren zu seinem Tode. Rundfunk und Fernsehen verleumdeten ihn und sprachen von den "Dummen", die einem "Schwindler" auf den Leim gegangen seien.

Ein Pastor verstieg sich sogar in einer Rundfunkandacht dazu, von "Hexenwahn" und "Massenhysterie" zu sprechen. Bruno-Gröning-Freunde leiteten jedoch ein Verfahren gegen ihn ein und zwangen ihn zu einer öffentlichen Entschuldigung. Von kirchlicher Seite enthielt man sich dann jeglicher Kommentare über Bruno Gröning.

In der Presse aber konnte man auch weiterhin ehrabschneidende Artikel über Bruno Gröning lesen. Man triumphierte, daß nun endlich das Unbehagen, das der ungewöhnliche Bruno Gröning in die festgefügte Welt vieler gebracht hatte, mit seinem Tod beseitigt war.

 

 

Die Lehre Bruno Grönings

Die Lehre, welche Bruno Gröning der Nachwelt hinterlassen hat, faßt Frau Grete Häusler, die bei Gröning Heilung erfahren hat und das Schrifttum über ihn vertreibt, folgendermaßen zusammen (2, S. 1 f):

"Bruno Gröning konnte aus dem Kosmos viele Kräfte in sich aufnehmen und weiterleiten. Sie gingen wellenartig um die ganze Erde. Wenn sich irgendwo irgendwer gedanklich auf diese Welle eingestellt hat, konnte er sie empfangen. Diese Kraft durchströmte wellenartig den Körper, und so sind auch Fernheilungen zu erklären.

Wenn man Bruno Gröning fragte: 'Was ist das für eine Kraft, die Sie empfangen und weiterleiten können?', sagte er:

'Das ist die göttliche Kraft selbst.' –
 
 

Gott ist der Sender und Bruno Gröning bezeichnete sich als Transformator. Er konnte viel, sehr viel von dieser Heilkraft in sich aufnehmen und so viel weiterleiten, soviel der betreffende Mensch fähig war zu glauben. Bruno Gröning sagte sinngemäß:

'Es gibt auf dieser Erde nicht nur die gute, göttliche Kraftquelle, es gibt hier auch die böse, satanische. Diese Kräfte kann auch jeder Mensch bewußt, meistens aber geschieht es unbewußt, in sich aufnehmen… Jede Krankheit kommt vom Bösen, ist das Böse und kann nur durch das Gute beseitigt werden…'

Er sagte weiter:

'Gedanken sind geistige Kräfte. Die Heilungen erfolgen hier auf geistigem Weg. Es gibt keine Untersuchungen, keine Behandlungen. Aber ein guter, gläubiger Gedanke kann Dinge bewirken, die man mit dem Verstand nicht erklären kann. Der Mensch sagt: 'Ein Wunder ist geschehen.' - 'Ich gebe nie das so, wie der Mensch es will, denn ich gebe es so, wie ich es empfange, und nicht von Menschen, das kann und darf und muß auch ich betonen oder auch herausstellen, wie ich es von Gott selbst bekomme. Ich kann da nichts ändern und ändere auch nichts.'  

Wenn Sie heute den Gedanken aufnehmen: 'Ich will gesund werden', dann sagte dazu Bruno Gröning sinngemäß:

'Bitten Sie Gott, daß Er hilft. Der Mensch allein ist zu schwach. Wenn Sie das tun, dann glauben Sie, daß Satan mächtig aber daß Gott allmächtig ist. Nehmen Sie den Glauben auf, daß Gott der größte Arzt ist, und vertrauen und glauben Sie, daß die göttliche Kraft hilft und heilt!

Trennen Sie sich gedanklich von dem Bösen (Krankheit), das sich in Ihren Körper eingeschlichen hat, und stellen Sie dies beiseite und geben dem keine Beachtung! Geben Sie aber die ganze Beachtung der Heilung! Bitten Sie jetzt um den Heilstrom und beobachten Sie ihren Körper! Ja, dem einen wird es jetzt warm, dem anderen wird es kalt, es kribbelt in den Händen oder Füßen, oder es treten Schmerzen auf. Das ist der Heilstrom. Was Sie jetzt spüren, hat mit der Krankheit nichts mehr zu tun, all das, was Sie spüren, gehört zum Gesundwerden. Da beginnt die Umstellung im Körper.

Die Krankheit kommt nicht von Gott. Sie gehört nicht zum Menschen, ist etwas Fremdes. Und wenn der Mensch jetzt glaubt, daß er durch die göttliche Kraft gesund wird, wird diese gute Kraft das Ungute, das Böse aus dem Körper abstoßen, und der Mensch ist frei und gesund. Bei dem einen geschieht es spontan, beim anderen Stück um Stück.'"

Das sind die persönlichen Überlegungen und Mutmaßungen Grönings zur Entstehung von Krankheiten. Aber kommen sie nun wirklich vom Satan? Etwa auch bei ihm selbst? –

Krankheiten sind fester Bestandteil des Lebens auf dieser Erde und mit der Schöpfung Gottes selbst eng verwoben. Sie führen dazu, daß das Leben nicht ewig dauert. Und der Tod ist der Kunstgriff der Natur, der neues Leben schafft, der neuem Leben Platz macht. Krankheiten dienen mit dazu, daß sich die Schöpfung weiterentwickelt, daß ungünstige Änderungen des Erbgutes ausgesondert werden. Sie dienen auch mit dazu, daß z. B. falsche Lebensweisen der Menschen abgeändert oder ausgemerzt werden. Wer sich falsch ernährt, wer sich falsch kleidet, wer einer Sucht verfällt (z. B. Alkohol, Nikotin oder Drogen) wird krank und stirbt u. U. daran. Das kann man doch nicht alles dem Satan in die Schuhe schieben!

Anders als das Tier hat aber der Mensch die Fähigkeit und Möglichkeit, die Folgen von Krankheiten abzumildern oder eine Krankheit ganz zu beseitigen. Dazu dienen z. B. die Naturheilkunde und die Schulmedizin, aber eben auch die Geistige Heilung, die Bitte und das Gebet an Gott um Gesundung. Und da setzte und setzt das Wirken Grönings ein, daß er darauf aufmerksam macht und mahnt, die heilende Kraft Gottes in sich aufzunehmen. Er nennt das den "Heilstrom". Viele andere haben vor ihm und nach ihm Gleichartiges gelehrt und praktiziert, nur sind sie nicht so bekannt geworden wie Gröning.

Ein anglikanischer Geistlicher, John Cameron Peddie, hat sich der Heilung als religiöse Aufgabe in der Kirche wieder erinnert, sie ausgeübt und ein Buch darüber geschrieben mit dem Titel "Die vergessene Gabe. Heilen als biblischer Auftrag heute" (3). In diesem Buch sagt er u. a. (S. 49):

"Meine Ansicht ist, daß die heilende Kraft Gottes dreierlei tut: Sie versetzt erstens den Patienten in die Lage, mehr Nutzen aus der Behandlung des Arztes zu ziehen, als dies sonst geschehen würde; sie hilft zweitens, die natürliche Heilkraft des Körpers in Bewegung zu setzen, und drittens versorgt die göttliche Kraft ihn mit allem, was er benötigt. Wie Jesus sagte: 'Bei Gott sind alle Dinge möglich' (Matt. 19, 26)."

Besonders wichtig ist aber nach erfolgter Heilung, sei sie durch einen Arzt, Heiler oder durch Gott bewirkt, daß der Mensch von da an seine Lebensweise ändert, daß er sich gesund ernährt, gesund kleidet, seine Süchte ablegt und seinen sonstigen Lebenswandel gesundheitsbewußt führt. Tut er das nämlich nicht, wird er bald wieder krank werden, und daran ist dann nicht der Satan schuld, sondern der Mensch selbst.

 

 

Die Wirksamkeit des Heilungsgeschehens

Zum Schluß noch einige Überlegungen zur Wirksamkeit des Gröningschen Heilungsgeschehens. Die zahlreichen Berichte zeigen, daß eine Vielzahl von Menschen eine Heilung, Besserung oder wenigstens Linderung ihrer körperlichen Beschwerden unter Grönings Einfluß erfahren haben. Da seinerzeit keine systematische Erfassung der Kranken erfolgte, kenne ich keine Langzeituntersuchungen, die aufzeigen, ob die Heilungen nur kurzzeitig oder für längere Zeit oder für immer anhielten. Nun ist es auch bei einem normalen Arzt so, daß seine Behandlung oft nur lindert oder für eine gewisse Zeit anhält und dann wieder neu erfolgen muß.

Wenn es bei Gröning auch so gewesen sein sollte, spräche das nicht allgemein gegen seine Heilmethode. Auch gegen den Tod hat niemand ein sicheres Mittel. Aber wie hat sein Vorgehen überhaupt gewirkt? Gröning spricht von einem "Heilstrom", von dem er annimmt, daß er von Gott ausgeht. Aber muß das Gott alles selbst unmittelbar in eigener Person vornehmen? Hat er nicht vielleicht Helfer, die das bewirken, seine Engel? Die Bibel spricht z. B. von den sieben heiligen Engeln, welche die Gebete der gottestreuen Menschen vor Gott tragen und Zutritt zu seiner Herrlichkeit haben (Tobias 12,15). Tragen sie nicht vielleicht auch die Heilkräfte auf die Erde zu den Menschen?

Der bekannte und bedeutende britische Geistheiler Harry Edwards (1893 - 1976) geht z. B. davon aus, daß jeder Heiler jenseitige Helfer, d. h. medizinisch geschulte Geistwesen hat, welche die Heilungen bewirken und den irdischen Heiler nur als Vermittler benutzen. - Oder ist es im Fall von Gröning doch mehr die menschliche Einbildungskraft, angeregt durch Grönings Auftreten und die Heilungserwartung aller umstehenden Menschen, welche körpereigene Heilungsvorgänge in Gang setzt? So etwas gibt es. Dazu ein Beispiel, das mir vor vielen Jahren ein Arzt erzählte: Er habe als junger Assistenzarzt einmal eine krebskranke einfache Frau geröntgt. Da der Krebs schon im fortgeschrittenen Stadium war, habe man sie nicht operiert, und eine Chemotherapie gab es damals noch nicht. Nach einiger Zeit sei die Frau überglücklich zu ihm gekommen und habe sich bei ihm bedankt, daß er sie geheilt habe (mit einer einfachen Röntgenaufnahme). Eine fachärztliche Nachuntersuchung habe tatsächlich ergeben, daß sich die Geschwülste zurückgebildet hatten. Die Suggestion durch den technischen, für die Patientin geheimnisvollen Vorgang hat also hier das Heilungsgeschehen ausgelöst.

Auch das eigene, flehentliche Gebet kann ein Heilungsgeschehen in Gang setzen, sei es, daß ein Heilstrom Gottes in den Kranken einfließt, oder daß durch Selbstsuggestion seine eigenen Selbstheilungskräfte aktiviert werden, oder beides zusammen geschieht.

Manche Heiler spüren direkt, daß aus ihren Händen, die sie auflegen, etwas hindurch in den Kranken einfließt. Und der Patient spürt ebenfalls, daß etwas in ihn einströmt. Von Jesus Christus wird Gleichartiges berichtet. Eine Frau, die seit 12 Jahren an Blutfluß litt, faßte von hinten die Quaste seines Mantels an und wurde augenblicklich geheilt. Christus merkte das und sagte: "Wer hat mich angefaßt? Es hat mich jemand angefaßt. Ich habe ja gefühlt, daß eine Kraft von mir ausgegangen ist." (Luk. 8, 43-48)

Aber auch jenseitige Heilgeistwesen haben gleichartige Empfindungen. Ich habe ein solches Heilung bringendes Geistwesen, mit dem wir Menschen zwanzig Jahre lang zusammengearbeitet haben, einmal gefragt, wie der Heilvorgang aus seiner Sicht ablaufe, und es sagte (5 , S. 41):

"Wenn ich nun Kräfte weitergebe, empfange ich viele feine Strahlen, die aus allen Richtungen kommen. Sie dringen bei mir ein. Ich kann sie selber spüren und kann sie durch die Hände des Mediums weiterleiten. Es ist mir aber nicht möglich zu sagen, aus welcher Richtung ich sie empfange. Ich weiß nur, daß sie von guten Geistern ausgehen, die ich aber nicht sehe. Ich kann nicht am Ende eines Strahles ein Geistwesen oder eine Person wahrnehmen. Die Strahlen kommen aus der Ferne, aus höheren Bereichen, und meinem Gespür nach von weither. Man hat uns gesagt, daß sie von Geistwesen abgesandt werden, aber wir haben sie noch nicht gesehen."

Viele Patienten, die bei Gröning geheilt wurden, berichteten, daß sie bei dem Heilungsvorgang ein innerliches Kribbeln verspürten, als ob etwas in sie einströmte, also das, was Gröning den Heilstrom nannte. Darüber, wie das Geschehen bei Gröning wirklich ablief, können wir nur Mutmaßungen anstellen. Möglicherweise haben alle hier aufgezählten Möglichkeiten zusammengewirkt.

 

 

Die Entwicklung nach Grönings Tod

Grönings Name ist mit seinem Tod aber nun nicht in völlige Vergessenheit geraten. Das ist einer Frau Grete Häusler zu verdanken. Sie war damals 28 Jahre alt und Lehrerin in Kärnten (Österreich), als sie 1950 Bruno Gröning mit, wie sie sagt, drei unheilbaren Krankheiten in München aufsuchte. Sie wurde dadurch spontan geheilt und hat in ihrer Heimat allen, die sie kannte, begeistert davon erzählt. Sie berichtet, daß allein durch diese Gespräche schon einige Zuhörer von ihren Krankheiten befreit wurden. 1952 lud sie Gröning ein, in Kärnten einen Vortrag zu halten. Er kam auch, doch wurde er von der Polizei am Reden gehindert, weil der örtliche Medizinalrat ein Veranstaltungsverbot erwirkt hatte.

Frau Häusler setzte sich aber weiterhin für Gröning ein und verbreitete seine Lehre. Das führte dazu, daß man dann in Österreich auch gegen sie ermittelte. Man versuchte mit aller Gewalt, sie von einer Wahnidee, nämlich dem Glauben an Bruno Grönings Sendung, abzubringen. Sie blieb aber standhaft und erfuhr letzten Endes auch keine bleibenden Nachteile.

Nach Grönings Tod gründete sie einen "Bruno-Gröning-Freundeskreis". Er entwickelte sich im Laufe der Jahre zur größten Vereinigung für geistiges Heilen in Europa. Er ist ein loser Zusammenschluß von hilfesuchenden Menschen und besteht (Stand 1998) aus 550 örtlichen Gemeinschaften auf der ganzen Welt, u. a. auch in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Hier lernen Hilfesuchende und Interessierte, die göttliche Heilkraft bewußt im Körper aufzunehmen, um aus sich selbst heraus Heilung bzw. Hilfe erleben zu können. Frau Häusler berichtet, daß sie Bruno Gröning bereits 1952 einmal gefragt habe, wie es denn sein würde, wenn er nicht mehr unter den Lebenden weilen werde. Er habe geantwortet:

"Sterben müssen alle Menschen. Den Körper wird man in die Erde legen, aber ich werde nicht tot sein. Wer mich dann rufen wird, zu dem komme ich und helfe weiter. Dann wird jeder aus sich selbst die Hilfe und Heilung erlangen können."

Genau das wird jetzt in dem Bruno-Gröning-Freundeskreis praktiziert. Dabei wird Bruno Gröning beinahe wie ein kanonisierter Heiliger angerufen und verehrt. Sogar eine eigene Hymne hat man ihm gewidmet. Die regelmäßigen Treffen der Gemeinschaften, eine Art Selbsthilfesitzungen ohne irdischen Heiler und Bezahlung, dienen der gemeinsamen Kraftaufnahme und dem Erfahrungsaustausch. Jeder kann kommen und gehen wie er will. Die Zugehörigkeit zum Bruno-Gröning-Freundeskreis ist kostenlos und unabhängig von Nationalität, Bindungen an Kirche, Ideologien oder sonstigen religiösen Gemeinschaften. Finanzielle oder rechtliche Bindungen bestehen nicht. Alle Aktivitäten werden unentgeltlich geleistet und die Kosten durch freiwillige Spenden gedeckt. Es wird nicht von ärztlichen Maßnahmen oder Therapien abgeraten. Die Aufnahme der geistigen Heilkraft ist auch als zusätzliche Hilfe möglich.

Weiter gründete Frau Häusler einen eigenen Verlag, durch den sie umfangreiches Schrifttum über Bruno Gröning vertreibt. Um die im Umfeld des Freundeskreises auftretenden Heilungsvorgänge medizinisch-wissenschaftlich absichern zu können, wurde 1992 innerhalb des Bruno Gröning-Freundeskreises die "Medizinisch-Wissenschaftliche Fachgruppe (MWF)" gegründet. Sie besteht aus über 2.200 Ärzten und Vertretern anderer heilkundlicher Berufe aus mehr als 15 Ländern. Im Vordergrund ihrer Arbeit steht die systematische Erfassung und Überprüfung von vollzogenen geistigen Heilungen nach der Lehre Bruno Grönings. Neben Heilungen werden auch nachweisliche Hilfen im persönlichen und beruflichen Bereich und unerklärliche Veränderungen durch Einwirkung der Heilkraft auf Tiere und Pflanzen erfaßt.

Bis heute konnten durch die MWF eine große Zahl von Hilfen und Heilungen auf geistigem Wege ärztlich überprüft und dokumentiert werden. Die Heilerfolge umfassen die verschiedensten Leiden, ob psychosomatisch oder körperlich. (Nach Angaben der MWF)

 

 

Verwendete Literatur

  1. Häusler, Grete: "Hier ist die Wahrheit an und um Bruno Gröning", 2. Auflage 1986, Grete Häusler Verlag, D 41189 Mönchengladbach

  2. Häusler, Grete: "Einführungsschrift in die Lehre Bruno Grönings", Grete Häusler Verlag, D 41189 Mönchengladbach

  3. Peddie, John Cameron: "Die vergessene Gabe. Heilen als biblischer Auftrag heute"; Verlag E. Franz, Metzingen, 2. Aufl. 1980

  4. Poellath, Eberhard: "Gott ist der größte Arzt, Bruno Grönings Vermächtnis der geistigen Heilung", Zeitschrift Wassermann 1996, S. 48 - 52

  5. Schiebeler, Werner: "Die Geistige Heilung durch Verbindung mit der jenseitigen Welt", WerSch Verlag, Ravensburg, 2. Aufl. 1992

  6. "Sonderausgabe über Grönings Erfolge", Zeitungsblitz, Rosenheim, Sept. 1949

  7. Mehrere Aufsätze über Gröning: Illustrierte REVUE 1949

  8. Kamp, Matthias: "Bruno Gröning, Revolution in der Medizin. Rehabilitation eines Verkannten. Eine ärztliche Dokumentation der Heilung auf Geistigem Wege", Grete-Häusler Verlag, Mönchengladbach, 2. Auflage 1994

  9. Eich, Thomas (Herausgeber): "Der Bruno-Gröning-Freundeskreis - Was ist das?", Verlag für geistiges Heilen, Schönbrunn 1997


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